Nur einmal in der Woche dürfen die Gefängnisinsassen für zehn bis fünfzehn Minuten ihre Bibliothek unter Aufsicht in kleinen Gruppen besuchen, die Abteilungen bleiben dabei unter sich, um unerwünschte Kontakte und Konfliktpotenzial zu vermeiden. Zwar gibt es Kataloge, um eine Vorauswahl zu treffen, doch führte das lange dazu, dass viele Bücher kaum in die Hand genommen wurden, weil ihr bloßer Titel niemanden ansprach. "Seit wir die Präsentation verbessert haben und die Themen klarer sind, probieren Insassen viel häufiger Neues aus", berichtet Gerhard Peschers, seit fünfzehn Jahren Bibliothekar der JVA Münster.
Gelobt wurde die Bibliothek unter seiner Leitung auch für ihre konsequente Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Gefangenen. Zensur gibt es - internationalen Richtlinien folgend - kaum: "Wie aus jeder öffentlichen Bibliothek sind links- und rechtsradikale Literatur ausgeschlossen; außerdem Sektenschriften, Pornografisches und natürlich Anleitungen zum Waffenbau." Doch es gibt keine indirekte Einflussnahme, kein Anempfehlen von moralisch wertvoller Literatur.
Mittwoch, August 22, 2007
Die Bibliothek des Jahres in der Presse
Dienstag, August 07, 2007
Bibliothek des Jahres 2007
In der Begründung für die Wahl der Gefangenenbücherei heißt es:
Die Gefangenenbücherei der JVA Münster wurde als "Bibliothek des Jahres 2007" ausgezeichnet, weil es der Bücherei gelingt, unter ganz besonderen Bedingungen und mit spezieller Aufgabenstellung einen hervorragenden Beitrag zur Integration durch Kultur und Bildung zu leisten. Mit der 2005 vorgenommenen Kernsanierung und Neukonzeption durch das Architektenbüro Bolles & Wilson hat die farbenprächtige Bücherei einen Qualitätssprung geschafft. Sie ist eine vorbildliche Einrichtung der sozialen Bibliotheksarbeit, die sich in optimaler Weise konsequent an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe ausrichtet und so als kreativer Impulsgeber für andere Gefangenenbibliotheken wirkt.
Darüber hinaus haben vor allem die Aktualität des Bestandes, seine intensive Vermittlung und die vielfältige und nachhaltige Öffentlichkeitsarbeit der Gefangenenbücherei die Jury überzeugt. Der Preis wird am 24. Oktober, am Tag der Bibliotheken, feierlich in Münster verliehen.
Mit dieser Entscheidung rückt der DBV eine Einrichtung in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, die der in letzter Zeit wieder vermehrt diskutierten "Sozialen Bibliotheksarbeit" zuzuordnen ist. Deshalb sei an dieser Stelle auf die Publikation "Zugang für Alle - Soziale Bibliotheksarbeit in Deutschland", zu der auch Gerhard Peschers (Fachstelle Gefangenenbüchereiwesen JVA Münster, DBV Sektion 8) einen Artikel beigesteuert hat, und auf die sich daran anschließende Podiumsdiskussion "Wann ist Bibliotheksarbeit sozial? Versuch einer Neubestimmung" auf dem vergangenen Bibliothekskongress in Leipzig verwiesen.
Freitag, Juli 13, 2007
Microsoft in der Dateiformat-Falle
Dass Dateiformate digitaler Daten irgendwann nicht mehr lesbar sein könnten, stellt eines der Hauptprobleme bei deren Langzeitarchivierung dar. Die Tatsache, dass es sich oft um proprietäre Formate handelt, erschwert die Archivierung zusätzlich. Deshalb hat Microsoft vor kurzem den britischen National Archives angeboten, bei der Migration älterer proprietärer Dateiformate in aktuelle behilflich zu sein - und sich ein Eigentor geschossen:
Die auf den ersten Blick noble Unterstützung geriet aber schell unter die kritische Lupe bekannter digitaler Bürgerrechtler wie Georg Greve und Joachim Jakobs von der Free Software Foundation Europe. Diese weisen nun mit Recht darauf hin, dass Microsoft der Hauptverursacher des Problems sei. Eine Benutzung von offenen Formaten wie ".odf" hätte das Problem erst gar nicht entstehen lassen. Statt dessen versucht der Redmonder Riese derzeit, ein eigenes "offenes" Format zum Standard adeln zu lassen.
Das Angebot von Microsoft verwandelt sich nun in eine PR-Falle und selbst die BBC fragt: Warum weigert sich Microsoft konsequent, an vorhandenen Standardisierungsverfahren teil zu nehmen?
via gmx.de, testticker.de
Dienstag, Juli 10, 2007
BID erarbeitet Strategiepapier "Bibliotheken 2012"
So meldet es heute das Bibliotheksportal knb. Anknüpfend an das Strategiepapier "Bibliothek 2007" sollen konkrete Forderungen für die Öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland formuliert werden. Auch das neue Papier richtet sich in erster Linie an PolitikerInnen und Unterhaltsträger der Bibliotheken.
Das Konzept soll das Potential der Bibliotheken zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Fragen deutlich machen und gleichzeitig benennen, welche Voraussetzungen und Standards erfüllt sein müssen, damit sie ihren Beitrag dazu leisten können.
Nachdem zunächst ein Entwurf erarbeitet und mit Experten abgestimmt wird und dieser Entwurf dann Anfang 2008 den bibliothekarischen Fachgremien zur Diskussion gestellt werden soll, wird das fertige Papier voraussichtlich auf dem Bibliothekartag in Mannheim 2008 der Öffentlichkeit präsentiert. Unter dem Vorsitz der BID-Sprecherin Barbara Lison sind an der Umsetzung VertreterInnen von DBV, VDB, DGI und BIB beteiligt.
Donnerstag, Juni 14, 2007
Bibliotheksspiel Letterheinz
Dass man Informationen rund um die Benutzung einer Bibliothek auch spielerisch vermitteln kann, beweist die UB Frankfurt am Main mit ihrem Letterheinz (seit April online). Der kleine Kerl sammelt gegen die Uhr Informationen in den Bücherregalen und muss sich dabei gegen allerlei "Feinde" wie Spinnen, Geister und sogar Bibliotheksstaub behaupten. Manchmal ganz schön knifflig, aber höchst unterhaltsam und ganz nebenbei sehr informativ.
Freitag, Juni 08, 2007
Freie Netze. Freies Wissen.
Das Buch "Freie Netze. Freies Wissen." beschäftigt sich mit den verschiedenen Anwendungsbereichen von Freien Netzen und Freiem Wissen.
"In jedem der neun Kapitel kommen in Interviews Menschen wie Lawrence Lessig oder Richard Stallman zu Wort, die mit dem Thema als ExpertInnen, PionierInnen oder unmittelbar Betroffene zu tun hatten oder haben."
Die Schreibweise ist vielleicht an manchen Stellen etwas polemisch, aber die behandelten Gegenstände wie Creative Commons, Urheberrecht, Copy Left oder Open Access werden informativ und verständlich beschrieben. Die Homepage verfügt darüber hinaus über ein Blog, in dem u.a. Ankündigungen zu Veranstaltungen im Bereich Freier Zugang zum Wissen gemacht werden.
via Duftender Doppelpunkt
Donnerstag, Juni 07, 2007
Zu viele Bibliotheken?
So titelt (PDF, S. 3) die Lokalausgabe für Treptow des Berliner Abendblattes und berichtet vom Kampf der Treptower Bürger gegen die Schließung der Bibliothek des "Ratz-Fatz". Diese Bibliothek soll bereits in diesem Jahr geschlossen werden statt 2010, wenn in Köpenick eine neue Mittelpunktsbibliothek öffnet. Dabei wird die Bibliothek rege genutzt:
Eine Lehrerin der Grundschule an der Feuerwache schilderte, dass die Kinder eine Doppelstunde in der Bibliothek verbringen, um ihre Lesefertigkeit zu verbessern und selbstständig neue Bücher zu erkunden.
Im Moment existieren im Bezirk Treptow-Köpenick noch 13 Bibliotheken und eine Fahrbibliothek, von denen laut Bezirksstadtrat Simdorn zur Umsetzung der Einsparungen 4 zu schließen wären. Hintergrund ist die vor kurzem bekanntgewordene Feststellung des Landesrechnungshofs, dass Berlin im Bereich der Bibliotheken sparen könne. Das Beispiel des Bezirks Treptow-Köpenick zeigt leider, wie schnell solche unreflektierten und an puren Zahlen orientierten Vorschläge, wie der des Landesrechnungshofs, zur Einsparung aufgegriffen werden und welchen Schaden sie damit anrichten.
Der Ausschuss für Bürgerdienste und Bildung der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick hat sich zumindest einstimmig gegen die Schließung der Bibliothek im "Ratz-Fatz" ausgesprochen: "Nun hat die Bezirksverordnetenversammlung das Problem auf dem Tisch."
Dienstag, Juni 05, 2007
Googles Volltextsuche auf Verlagsseiten
Die Ergebnisseiten sind kostenlos und werden von Google gehostet, teilt das Unternehmen mit. Verlage können die Suche nur auf die Titel beschränken, die sie selber innerhalb der Google Buchsuche anbieten. Außerdem könnten Verlage mittels des „Dieses Buch kaufen“-Links, der auf ihre Online-Shops führt, aus nach Büchern stöbernden Internetnutzern Kunden machen.
Die Verlage McGraw-Hill, Cambridge University Press, Transaction Publishers und Seven Stories haben das Feature bereits integriert.
via Börsenblatt Online
Montag, Juni 04, 2007
SPIEGEL-Gespräch – live in der Uni
Im Rahmen dieser vom Spiegel im April gestarteten Gesprächsreihe findet am Mittwoch, 06.06., an der Humboldt Universität zu Berlin um 19:30 Uhr im Audimax ein Gespräch über Rüdiger Safranskis neues Buch „Die Romantik – eine deutsche Affäre“ statt.
Mit seinem neuen Buch „Die Romantik – eine deutsche Affäre“ bringt er Licht in eine der bedeutendsten Epochen der deutschen Geistesgeschichte, die häufig missverstanden wurde. Er entdeckt, dass die genialen und stürmisch-subjektiven Aufbrüche um Fichte, Schlegel, Schelling eine unabgeschlossene Geschichte sind, und eine sehr deutsche dazu. Waren die romantischen Genies die ersten 68er? Darüber spricht SPIEGEL-Redakteur Matthias Matussek mit dem Schriftsteller.
via presse-hu
Samstag, Juni 02, 2007
Wissen und Eigentum
I. Einleitung
JEANETTE HOFMANN / CHRISTIAN KATZENBACH: Einführung
JAMES BOYLE: Eine Politik des geistigen Eigentums: Umweltschutz für das Internet?
II. Geschichte und Theorie
THOMAS DREIER / GEORG NOLTE: Einführung in das Urheberrecht HANNES SIEGRIST: Geschichte des geistigen Eigentums und der Urheberrechte. Kulturelle Handlungsrechte in der Moderne
KLAUS GOLDHAMMER: Wissensgesellschaft und Informationsgüter aus ökonomischer Sicht
III. Technische und rechtliche Strukturen
TILL KREUTZER: Das Spannungsfeld zwischen Wissen und Eigentum im neuen Urheberrecht
CORINNA HEINEKE: Adventure TRIPS – Die Globalisierung geistiger Eigentumsrechte im Nord-Süd-Konflikt
VOLKER GRASSMUCK: Wissenskontrolle durch DRM: von Überfluss zu Mangel
IV. Kunst und Kulturg ter
FRIEDEMAN KAWOHL / MARTIN KRETSCHMER: Von Tondichtern und DJs – Urheberrecht zwischen Melodieneigentum und Musikpraxis
HEIKE ANDERMANN / ANDREAS DEGKWITZ: Zirkulation wissenschaftlicher Information in elektronischen Räumen
V. Märkte und Geschäftsmodelle
JOSCHA WULLWEBER: Marktinteressen und Biopiraterie – Auseinandersetzungen um das „grüne Gold der Gene“
JOHANN CAS UND WALTER PEISSL: Datenhandel – ein Geschäft wie jedes andere?
ROBERT A. GEHRING: FOSS, die Firma und der Markt
VI. Ausblick
FELIX STALDER: Neue Formen der Öffentlichkeit und kulturellen Innovation zwischen Copyleft, Creative Commons und Public Domain
BERND LUTTERBECK: Die Zukunft der Wissensgesellschaft
via Duftender Doppelpunkt
Donnerstag, Mai 10, 2007
Geisteswissenschaften to go - Wie populär dürfen geisteswissenschaftliche Themen sein?
Wenn er darüber spreche, Archäologe zu sein, komme immer gleich die Gegenfrage: "Wo graben Sie denn?" Neunzig Prozent der archäologischen Forschung haben aber nun einmal nichts mit Ausgrabungen zu tun.
Nur am Rande: dies gilt gleichermaßen für die Germanistik: ich weiß nicht, wie oft ich schon versuchen musste zu erklären, was man mit einem solchen geisteswissenschaftlichen Studium später macht.
Alles in allem konstatieren die Autoren der Artikel in der taz und der FR, dass es ja schonmal positiv sei, dass nicht von der Krise dieses Wissenschaftsbereichs, sondern "nahezu ressentimentfrei über die Gegenwart und Zukunft der Geisteswissenschaft gesprochen wurde" (FR). Trotzdem: Dirk Knipphals hält in der taz fest: "Wie Leute, die sich noch nicht einmal auf gemeinsame Themen einigen können, die Gesellschaft zusammenhalten sollen, möchte man einmal eingehender erklärt bekommen."
P.S.: Und wieder die üblichen Klischees: Es liegt offensichtlich im Trend, "bei den Chefposten der großen Kulturinstitutionen (Marbach, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) den Typ Bibliothekar durch den Typ "Macht was her" auszutauschen. Ohne Showqualitäten geht es nicht mehr. (taz)"
Mittwoch, April 25, 2007
RSS: einfach und kompakt erklärt
Mittwoch, April 11, 2007
Neue Zeitschriften zum Thema Hörbücher
Digitalisierung deutscher Bibliotheken
Ohnehin sind die bislang realisierten Projekte auf Google angewiesen. Denn eine zentrale Seite, über die sämtliche Projekte zugänglich sein sollen, befindet sich erst im Aufbau. Über das Zentrale Verzeichnis digitaler Bücher sollen später auch die Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek zur Verfügung stehen.
Dienstag, April 10, 2007
Big Brother, DSDS & co.
"die sozialdarwinistisch angehauchte, auf Selbstprostitution und fröhlichem Fremdschämen basierende "Guck-mal-was-ich-besser-als-die-doofen-Anderen-kann"-Show"
Treffender kann man es nicht sagen!
Montag, April 02, 2007
Paul Watzlawick gestorben
Die (S)Checkliste von Druckfrisch
Verriss
- Platz 10: Tatjana Gräfin Dönhoff und Gabriela Sperl: "Die Flucht"
- Platz 8: Tommy Jaud: "Resturlaub "
- Platz 7: Peter Hoeg: "Das stille Mädchen"
- Platz 3: J.R. Moehringer: "Tender Bar"
- Platz 9 Andreas Eschbach:"Ausgebrannt"
- Platz 6 : Fred Vargas: "Die dritte Jungfrau"
- Platz 5: Marina Lewycka: "Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch"
- Platz 4: Daniel Kehlmann: "Die Vermessung der Welt"
- Platz 2: Eoin Colfer: "Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie"
- Platz 1: Andrea Maria Schenkel: "Tannöd"
Online wird besser gelesen
Damit gerät ein lang gehegtes Vorurteil gegenüber E-Books u.ä. ins wanken, dass diese Formen wegen ihrer schlechteren (weil anstrengenderen) Lesbarkeit weniger Zuspruch fänden.
Montag, März 19, 2007
Live vom Bibliothekskongress 2007
Donnerstag, März 01, 2007
Geisteswissenschaften an Technischen Universitäten
Heute wäre über die Seele im Zeitalter des Internet nachzudenken, über den Menschen in der Ära von Google, von Web 2.0 und „Second Life“ – der virtuellen 3D-Welt, in welcher wir uns eine alternative Existenz aufbauen können. Es ist höchste Zeit, den Ort der Geisteswissenschaften in Technischen Universitäten neu zu bestimmen. Unzeitgemäß ist es, sie dort vom Platz zu stellen.